Zur aktuellen Diskussion über die telefonische Krankschreibung erklärt Dr. Cornelia Urban, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Thüringen:
„Wer krank ist, gehört nicht an den Arbeitsplatz. Die telefonische Krankschreibung ist ein pragmatisches Instrument, um Praxen zu entlasten, Infektionen zu vermeiden und Patientinnen und Patienten gerade in ländlichen Regionen unnötige Wege zu ersparen. Sie ist zudem klar begrenzt: Sie kommt nur bei Erkrankungen ohne schwere Symptomatik in Betracht und soll bei Erstbescheinigung auf maximal fünf Kalendertage beschränkt bleiben. Die Entscheidung liegt im ärztlichen Ermessen.“
Hintergrund der Debatte ist die Ankündigung von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, die bestehenden Regelungen im Hinblick auf möglichen Missbrauch zu überprüfen.
Urban warnt vor pauschalen Unterstellungen: „Die große Mehrheit der Beschäftigten lässt sich nicht aus ‘Laune’ krankschreiben. Wer jetzt reflexhaft den Eindruck erweckt, Krankheit sei vor allem ein Kontrollproblem, trifft die Falschen – und schadet am Ende auch der Versorgung. Sinnvoll ist eine sachliche Auswertung: Wo gibt es tatsächlich Auffälligkeiten, welche Diagnosen und Branchen sind betroffen, und welche Maßnahmen entlasten Praxen und Betriebe, ohne das Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten zu beschädigen.“
Zugleich betont Urban: „Wenn der Bundeskanzler oder die Bundesgesundheitsministerin den Eindruck haben, dass Menschen ‘zu häufig’ krank sind, dann ist der richtige Ansatz Ursachenforschung – nicht Misstrauen. Hohe Krankenstände haben Gründe: Arbeitsverdichtung, psychische Belastungen, unzureichende Prävention, lange Wartezeiten auf Facharzt- und Therapietermine oder auch wiederkehrende Infektwellen. Wer Gesundheitspolitik ernst nimmt, stärkt betriebliche Gesundheitsförderung, Arbeitsschutz und Versorgung – statt an einem sinnvollen Verfahren herumzuschrauben.“
Die SPD-Fraktion Thüringen spricht sich dafür aus, bestehende Schutzmechanismen konsequent anzuwenden und – falls nötig – zielgenau nachzuschärfen, statt ein bewährtes Instrument insgesamt infrage zu stellen. „Missbrauch muss ausgeschlossen werden – aber mit Augenmaß und evidenzbasiert. Thüringen braucht eine starke, erreichbare hausärztliche Versorgung und moderne, patientenfreundliche Verfahren. Daran sollten wir arbeiten.“